Wenn sich die Schönen und Reichen auf den Treppenstufen des Metropolitan Museum in New York zusammenfinden, kann dies nur etwas bedeuten: Die Met-Gala beginnt. Was macht «Fashion’s Biggest Night» zu etwas so Besonderem?

Egal ob Unterhaltung, Politik, oder sonstige Eliten, jeder, der in der «High Society» etwas von sich hält, will zur Met-Gala. Der glamouröse Abend wird jedes Jahr am ersten Montag im Mai vom Kostüminstitut des Metropolitan Museum, in Zusammenarbeit mit dem Fashion Magazine Vogue, durchgeführt. Von den Kardashian-Schwestern bis Hilary Clinton – jede:r war schon mal Gast oder will es noch werden. Doch wie wurde eine Benefizveranstaltung für ein Museum zu «Fashion’s Biggest Night»? Ein kleiner Überblick, wie «The First Monday in May» zum Fashion-Event schlechthin wurde.

 

Das Kostüminstitut des Met

Die Met-Gala fand ihre Anfänge im Jahr 1948. Dort war sie jedoch noch unter dem Namen «Costume Instiute Benefit» bekannt. Gegründet wurde die Gala von Eleanor Lambert, welche ebenfalls die New York Fashion Week ins Leben gerufen hat. Die erste Gala wurde zur Eröffnung der ersten Ausstellung des Kostüminstituts des Metropolitan Museum veranstaltet. Der Eintritt betrug damals rund 50 Dollar, eine beinahe lächerliche Summe verglichen mit den heutigen Preisen. Mehr dazu später im Artikel. Bis in die 1970er Jahre fand die Gala an verschiedenen Orten in New York statt. Obwohl der Abend schon damals ein grosser Event für die New Yorker High Society war, wurde das Ganze eher klein und lokal gehalten. Das Hauptziel der Gala war es, für das Kostüminstitut Geld zu sammeln. Im Vordergrund stand das Selbstverständnis als Benefizveranstaltung.

Met Gala, 1948

Im Jahr 1971 übernahm Diana Vreeland, unter anderem Chefredakteurin der amerikanischen Vogue von 1962-1971, den Vorsitz des Kostüminstituts. Es war Vreeland, welche die Met-Gala zum Event machte, wie wir ihn heute kennen. Sie entwickelte die Gala zu dem High-Society-Event der amerikanischen Gesellschaft und weckte internationales Interesse für die Gala. Danach erhielten auch Stars Einladungen für die Gala. Zu den  ersteingeladenen Stars gehörten Hollywood-Grössen wie Elizabeth Taylor, Barbara Streisand oder Liza Minelli. Ausserdem führte Vreeland in ihrer Zeit am Kostüminstitut ein, dass die Gala im Met selbst durchgeführt wurde und der Abend einem bestimmten Thema folgte. Dieses Thema wurde jeweils von der Ausstellung des Kostüminstituts abgeleitet. Weiter blieb bestehen, dass die Gala am ersten Montag im Mai stattfand und gleichzeitig die neue Ausstellung des Kostüminstituts eröffnet wurde.

Die Met-Gala entwickelte sich aus ihren High-Society-Anfängen zu einer der prominentesten Benefizveranstaltung in New York City. Im Jahr 2022 konnte der Abend rund 17,5 Millionen Dollars sammeln. Obwohl die heutige Form der Met-Gala ihre Anfänge 1971 mit Diana Vreeland fand, kann jemand anders von der Veranstaltung nicht mehr weggedacht werden: Anna Wintour.

 

Anna Wintour: Gästeliste und Selfie-Verbot

Anna Wintour ist seit 1988 Chefredakteurin der amerikanischen Vogue und hat sich seit damals zur wohl einflussreichsten Frau der Fashionwelt hochgearbeitet. Keine Modenschau oder sonstige Fashion-Anlässe sind ohne sie komplett, und ihre Zustimmung oder Ablehnung kann Erfolg beziehungsweise Misserfolg bedeuten. Angeblich war die 74-Jährige auch Inspiration für die Figur Miranda Priestly, gespielt von Meryl Streep, im Film «Der Teufel trägt Prada».

Anna Wintour Portrait

Vielleicht ist das ein Grund, wieso Meryl Streep noch nie eine Einladung zur Met-Gala erhalten hat. Denn Wintour ist, seit sie den Vorsitz der Gala 1995 übernommen hat, noch mehr als ihre Vorgängerinnen in die Planung und Durchführung des Abends involviert. Ohne ihre Zustimmung werden keine Einladungen verschickt und jede Kleiderwahl der Eingeladenen muss durch sie abgesegnet werden. Mit Wintour in der Chefposition wurde die Met-Gala zu einem wirklich globalen Event, da sie nicht nur amerikanische Stars und Fashion-Ikonen auf die Gästeliste setzte. Ausserdem wurde, seitdem Anna Wintour die Gala organisiert, die Stelle der Co-Chairs prominenter in den Abend eingebunden. Diese sind ausgewählte Persönlichkeiten, welche als Mitorganisatoren des Abends aufgeführt werden. Seit Anfang der 2000er Jahre hat Wintour auch Stars auf diese Positionen gestellt und nicht nur wie vorher Designer:innen. Wintours Einfluss auf die Gästeliste hat auch dazu geführt, dass Roger Federer im Jahr 2023 einer der Co-Chairs des Abends wurde. Dies, da Wintour grosser Tennisfan und der Schweizer Sportler ihr Lieblingsspieler ist.

Aber Wintour hat nicht nur die Reichweite des Events erweitert, sie hat auch die Exklusivität der Met-Gala ausgebaut. Die 50-Dollar-Tickets der Anfangsjahre sind längst vergessen. An der vergangenen Gala von 2023 kostete ein Ticket 50’000 Dollar. Diese Tickets können die Gäste allerdings nicht selbst kaufen. Modehäuser, Unternehmen und Organisationen kaufen ganze Tische auf, schlagen Wintour mögliche Gäste vor, welche diese dann entweder bestätigt oder für welche sie allenfalls Gegenvorschläge macht. Weiter wird der rote Teppich vor der Gala seit einigen Jahren live übertragen. Dies ermöglicht es allen Fashioninteressierten, die unglaublichen Outfits und Gäste zu sehen. Denn, wer eingeladen ist und was diese Personen tragen werden, bleibt vor der Gala streng geheim. Weiter wird die Exklusivität vom Selfie-Verbot, welches Wintour eingeführt hat, gefördert. Fotos des Abends gibt es keine, nur offizielle Portraits auf dem roten Teppich und eventuell vereinzelte Wintour-bewilligte Fotos der eigentlichen Gala. Doch Stars brechen dieses Selfie-Verbot immer wieder. Berühmt wurden in den letzten Jahren die sogenannten «Bathroom-Selfies». Gegen diese hat Wintour wohl doch nichts, denn genau so, wie über die Gästeliste und mögliche Outfits spekuliert wird, wird auch darüber diskutiert, welche Stars das «Bathroom-Selfie» des Abends liefern werden. Neben dem Selfie-Verbot hat sich Wintour lange geweigert, Influencer:innen zur Gala einzuladen. Erst 2020 standen zum ersten Mal Social-Media-Persönlichkeiten mit anderen Stars auf dem roten Teppich. Doch diese Vorbehalte hat Anna Wintour wohl vollkommen hinter sich gelassen, da Instagram 2021/2022 und TikTok dieses Jahr als Hauptsponsoren agieren.

Die Met Gala in der heutigen Zeit

 

Alle werden zu Fashionkritiker:innen

Was die Met-Gala für die «Normalsterblichen», die von Einladungen nur träumen können, interessant macht, ist das Thema des Abends. Obwohl die Dresscodes, die vom Thema abgeleitet werden, nicht obligatorisch sind, wird klar der Anstoss gegeben, dass sich die eingeladenen Leute daran halten sollten. Deshalb liegt auch auf der Hand, dass das Publikum zu Hause die Outfits auf dem roten Teppich kommentiert und kritisiert. In den letzten Jahren waren die Looks der Stars eher enttäuschen, da viele die Themen entweder missachten, langweilig umsetzen oder sogar falsch verstehen.

Beispiele für Missinterpretationen gibt es zahlreiche. So war die Met-Gala 2021, damals wegen der Covid-19-Pandemie ausnahmsweise im September durchgeführt, für viele Fashioninteressierte eine Enttäuschung. Als erster Teil eines zweiteiligen Themas stand der Abend unter dem Motto «In America – A Lexicon of Fashion». Die einfallslosen Outfits und unklaren Referenzen machten den Abend eine eher unbefriedigend Fashion-Angelegenheit. So wurden viele Persönlichkeiten und Designer:innen referenziert, die nicht aus den USA stammen. Beispiel dafür war Model Kendall Jenner, die ein Kleid trug, welches von Audrey Hepburn inspiriert war, einer Britin, aus dem Film «My Fair Lady», der im London der 1910er Jahre spielt. Ein weiteres Beispiel für eine Missinterpretation gab es beim Thema «Camp – Notes on Fashion» im Jahr 2019. Damals wirkte es, als ob die Stars sowie ihre Designer:innen und Stylist:innen keine Recherche betrieben hatten, um wirklich zu verstehen, was das Thema bedeutet. Für viele war das Thema wohl zu konzeptuell, denn ein paar Federn am Kleid machen noch keinen «Camp»-Look aus. Auch die letztjährige Met-Gala, welche die Designs des deutschen Modeschöpfers Karl Lagerfeld in den Fokus rückte, war eher eine langweilige Angelegenheit. So trafen zwar viele der Teilnehmer:innen den Dresscode, doch da die Kleider von Lagerfeld einem schwarz-weiss Farbschema folgen, fiel auch der rote Teppich eher farblich monoton aus.

Rihanna, 2015, «China – Through the Looking Glass»

Doch obwohl viele Stars für ihre Umsetzung der Themen kritisiert werden, gibt es auch Stars, welche die Herzen von Fashionliebhaber:innen mit ihrer Teilnahme am Event jedes Jahr höher schlagen lassen. So hat Sängerin Rihanna 2015 beim Thema «China – Through the Looking Glass» mit ihrem Outfit inklusive fast 5 Meter langer Schleppe vom chinesischen Designer Guo Pei überzeugt. Bis heute wollen viele Stars einen so ikonischen Schleppenmoment rekreieren. Die Einzige, die nahe daran herangekommen ist, ist Schauspielerin Blake Lively, die immer wieder mit ihren Outfits bei der Met-Gala für positive Schlagzeilen sorgte. Einer ihrer bekanntesten Looks war im Jahr 2022, als sie ein sich verwandelndes Kleid trug, welche dem zweiten Teil des Themas «In America» entsprechend die Oxidierung der Freiheitsstatue referenzierte. Weiter ist Schauspielerin Zendaya ein immer gern gesehener Gast bei der Met-Gala. So trug sie 2018 zum Thema «Heavenly Bodies – Fashion and the Catholic Imagination» ein Kleid mit Kettenhemdcharakter in Referenz zur Heiligen Jean D’Arc. Nachdem Zendaya seit 2019 nicht mehr an der Gala gewesen ist, war sie dieses Jahr als Co-Chair wieder dabei und hat nicht nur einen sondern zwei eindrucksvolle Looks gezeigt.

Blake Lively, 2022, «In America – An Anthology of Fashion»

 

Zendaya, 2018, «Heavenly Bodies – Fashion and the Catholic Imagination»

 

Und wie sah es dieses Jahr aus? Die Met-Gala fand dieses Jahr am 6. Mai, eben dem ersten Montag im Mai, statt und stand unter dem Thema «Sleeping Beauties – Reawakening Fashion». Der Dresscode lautete «The Garden of Time» basierend auf eine Kurzerzählung von J.G. Ballard. Dabei ist jedoch nicht gemeint, sich als Dornröschen (auf Englisch «Sleeping Beauty») zu verkleiden. Im Fokus der neuen Ausstellung des Kostüminstituts stehen Kreationen, welche zu fragil sind, um noch getragen zu werden. Diese umfassen Kleider, die aus sehr heiklen Materialien gemacht sind, oder Archiv-Kreationen, die aufgrund ihres Alters nicht mehr getragen werden können.

Zwei Dior Kreation aus der Haute Couture Kollektion Fall/Winter 1949/50, welche unter dem Thema «Sleeping Beauties – Reawakening Fashion» diese Saison im Met ausgestellt werden.

Die Idee der Ausstellung und demnach des Dresscodes ist es, zu zeigen, wie solche untragbaren und fragilen Designs wieder neues Leben bekommen und präserviert werden können. Den kreativen Umsetzungen eines solchen Themas waren keine Grenzen gesetzt, doch ein paar «Dornröschen» waren leider unumgänglich. Aber genau das macht «Fashion’s Biggest Night» aus, die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Kleidung und die selbstbewusste Aussage: «Ich hätte das viel besser gemacht!»

 

Text Franziska Schwarz

Fotos: © www.vogue.com


Einige vergangene Met-Gala Themen

1973: «The World of Balenciaga» (erstes Thema)

1989: «The Age of Napoleon – Costume from Revolution to Empire, 1789-1815»

1995: «Haute Couture» (erstes Thema von Anna Wintour)

2001: «Jacqueline Kennedy – The White House Years»

2008: «Superheroes – Fashion and Fantasy»

2015: «China – Through the Looking Glass»

2018: «Heavenly Bodies – Fashion and the Catholic Imagination»

2019: «Camp – Notes on Fashion»

2021: «In America – A Lexicon of Fashion»

2023: «Karl Lagerfeld – A Line of Beauty»

2024: «Sleeping Beauties – Reawakening Fashion»