Um sich selbst zu finden, ein Abenteuer zu erleben, alle Entscheidungen selbst treffen zu können, um neue Leute kennenzulernen – Schweizer:innen verreisen immer öfter allein.

Allein in die Ferien zu fahren, liegt im Trend. Laut einer Umfrage der beliebten Plattform «Booking.com» sind 2024 ein Viertel der Schweizer Befragten allein verreist. Auch 2025 plante ein Viertel, eine Reise ohne Begleitung anzutreten. Dieses wachsende Interesse spiegelt sich auch in den Google-Suchanfragen für «solo travel» wider. Diese sind in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen, mit Ausnahme während der Pandemie.
Wieso allein losziehen?
Es stellt sich die Frage, weshalb immer mehr Personen ohne Familie, Freund:innen oder Partner:innen in den Urlaub fahren. Eine solche Entscheidung kann zahlreiche Vorteile haben. Wenn man allein unterwegs ist, kannst man seine Tage ganz nach den eigenen Bedürfnissen richten. Essen, wann und wo man möchte, so früh oder spät aufstehen oder ins Bett gehen, wie es einem gefällt, und Aktivitäten buchen, ohne Kompromisse einzugehen. Niemand redet rein, es entstehen keine Planungskonflikte. Schnell kann sich diese Selbstständigkeit in Selbstbewusstsein verwandeln – eine Reise allein zu meistern, ist ein gutes und stärkendes Gefühl.
Allein, aber nicht einsam
Allein zu reisen, heisst nicht zwingend, einsam zu sein oder sich allein zu fühlen. Wen den Gedanken, tage- oder wochenlang allein zu sein, überfordert: Es gibt zahlreiche Wege, auf Reisen Kontakte zu knüpfen. Hostels bieten sich dafür ideal an. Sie sind Orte, an denen sich oftmals andere (junge) Alleinreisende tummeln, die Gemeinschaft, eine Begleitung für den nächsten Ausflug oder für die nächste Party suchen. Oftmals bieten diese Unterkünfte selbst Ausflüge an, bei denen man sich anschliessen kann. Es gibt sogar Hostels, die spezifisch für Alleinreisende gemacht sind, dort sind Kontakte vorprogrammiert. Aber auch Surfcamps oder Gruppenreisen von Anbietern wie «G Adventures» oder «Intrepid» bieten sich an, um allein zu verreisen, ohne dabei einsam zu sein. Zudem gibt es Apps und Webseiten, auf denen sich Alleinreisende austauschen und Treffen organisieren können. Eine davon ist die App «Going Solo: Travel Friends». Auch über die App «Hostel World» können nicht nur Unterkünfte gebucht werden, sondern sie bietet Chatfunktionen an, um mit anderen Alleinreisenden in Kontakt zu treten. Am Zielort angekommen, bieten sich zudem sogenannte «Free Walking Tours» an, um den Ort zu erkunden und andere Menschen kennenzulernen.
Die Frage der Sicherheit
Wie kann man sich auf eine Solo-Reise vorbereiten? Grundsätzlich sind die Vorbereitungen die gleichen, wie wenn man mit jemand anderem unterwegs ist: Transportmittel und Unterkünfte buchen, vielleicht ein Visum beantragen und mehr. Doch wenn man allein ist, lohnt es sich auf spezifische Aspekte zu achten, vor allem, als weiblich gelesene Person. Um sicher unterwegs zu sein, lohnt es sich, so zu planen, dass die Ankunft und Abreise nicht im Dunkeln sind. Denn es ist einerseits sicherer, im Hellen unterwegs zu sein, andererseits fällt die Orientierung leichter. Seinen Standort mit Vertrauenspersonen zu teilen, ist ebenfalls eine gute Idee. Ansonsten gilt es, gesunden Menschenverstand anzuwenden und auf das eigene Bauchgefühl zu achten.
Grundsätzlich ist es aber kein Sicherheitsproblem, allein unterwegs zu sein, unabhängig vom Geschlecht. Ein Blick auf offizielle Empfehlungen, vor allem aber Erfahrungsberichte von anderen, gibt Aufschluss darüber, wie sicher sich andere am Zielort gefühlt haben. Es gibt zahlreiche Blogs von (weiblichen) Reisenden, die ihre Erfahrungen teilen und hilfreiche Tipps geben. Eine einfache Google-Suche spuckt zahlreiche Berichte zu jeglichen Reisezielen aus.
Ob also eine Woche Portugal, ein Monat Südostasien, ein halbes Jahr Australien oder ein Wochenende in Berlin oder im Tessin – allein Reisen kann so aussehen, wie man es möchte. Neben einem gestärkten Selbstvertrauen nimmt man daraus neue Erfahrungen mit, die man nur allein machen kann. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, irgendwann eine Reise allein anzutreten, egal wie lange und egal wohin.
Text Angelika Scholz
Foto zum Artikel Shamblen Studios auf Unsplash
