In der Nacht von Sonntag auf Montag fanden die 98. Academy Awards oder auch Oscars statt. Es war eine Nacht voller Euphorie, die das Feiern der nominierten Filme in den Mittelpunkt stellte.

Wie jedes Jahr fand die Awards-Season ihren Höhepunkt am 15. März im Dolby Theater in Los Angeles, als sich Hollywood versammelte, um die diesjährigen Oscars an die besten Schauspieler:innen, Kostümdesigner:innen, Dokumentarfilme und viele mehr zu verleihen. Dieses Jahr war die Zeremonie von mehr Spannung als in den letzten Jahren geprägt. Obwohl ich selbst die Oscars seit 13 Jahren live mitverfolge und langsam die Formel für die richtigen Predictions draufhabe, war es dieses Jahr für viele Kategorien sehr schwierig, die Gewinner:innen hervorzusagen. Doch genau das macht die Oscars dieses Jahr so toll. Die ganze Zeremonie war eine Zelebrierung der nominierten Filme und Filmemacher:innen. So, wie der grösste Filmpreis sein sollte.

Was zu vorhersagen war

Obwohl dieses Jahr einige der grossen Preise keine klaren Frontrunners hatten, gab es doch einzelne Preise, die schon vor der Verleihung mehr oder weniger festlagen. So waren die beiden Preise für bestes adaptiertes Drehbuch und bestes Originaldrehbuch schon vor Sonntag klar für Paul Thomas Andersons Film One Battle after Another und Ryan Cooglers Sinners entschieden. Andersons Film, angelehnt an den Roman Vineland, erzählt von der Teenagerin Willa, die wegen der Vergangenheit ihrer Eltern als Revolutionäre von White Supremacists verfolgt wird. Ein epischer Film, der seine Bodenhaftigkeit dank der lustigen und normalen Figuren nie verliert. Sinners, Regisseur und Drehbuchautor Ryan Cooglers genreübergreifender Vampirfilm, verschaffte Coogler seinen ersten Oscar dank seines Drehbuchs. Sinners war ausserdem mit seinen 16 Nominierungen der meistnominierte Film in der Geschichte der Oscars. Ein unglaublicher Erfolg.

Vor der Verleihung war auch schon klar, dass wohl kein anderer Song Golden vom Sony Animation Riesenerfolg Kpop Demon Hunter den Oscar für bester Song stehlen werden würde. Der Song ist der erste Kpop-Song, der jemals für einen Oscar nominiert wurde. Der Animationsfilm gewann neben diesem Preis auch den Oscar für den besten Animationsfilm. Die einzige Schauspielkategorie, die man ohne Probleme schon vorher vorhersagen konnte, war die Kategorie Beste Hauptdarstellerin. Jessie Buckley hat schon bei allen anderen Preisverleihungen für ihre Rolle als Agnes Shakespeare, Frau des berühmten Schriftstellers, im Drama Hamnet die Preise in dieser Kategorie gewonnen. Es war daher wenig schockierend, als sie auch letzte Nacht mit dem Oscar weglaufen konnte.

Was niemand erwartete

Die diesjährige Oscarverleihung war extrem spannend, da die meisten Kategorien sehr offenblieben. Dazu geführt hat vielleicht auch, dass dieses Jahr eine neue Regel für das Voting eingeführt wurde. Nachdem in den letzten Jahren Kontroversen rund um den Fakt, dass viele Academy Mitglieder, welche für die Oscars abstimmen, nicht mal alle Filme schauen, über die sie abstimmen, hat die Academy eine Regel eingeführt, dass sie alle Filme schauen müssen, um in einer Kategorie abzustimmen. Durch Screeners und speziell organisierte Vorstellungen für die Academy Mitglieder probierten sie, dies so fest wie möglich durchzusetzen. Es gab wohl auch dadurch dieses Jahr einige überraschende Momente, die wohl in Oscars-Geschichte eingehen werden.

Der definitiv unvorhersehbarste Moment passiert bei der Verleihung des Oscars für den Besten Kurzfilm. Es gab ein Unentschieden. Ja, das ist bei den Oscars möglich, jedoch sehr selten. Dieses Unentschieden ist erst das siebte in der 98-jährigen Geschichte der Academy Awards. Die Teams hinter Singers und Two People Exchanging Saliva konnten sich beide über Oscars in ihrer Kategorie freuen. Ein Zeugnis dafür, wie eng viele Oscarrennen waren dieses Jahr. Zwei der spannendsten Kategorien in der Oscarnacht waren die für die beste Nebendarstellerin und den besten Nebendarsteller. Beide Kategorien hatten keine klaren Frontrunner, bei allen anderen Preisverleihungen gewannen immer verschiedene Nominierte. Die Spannung, die sich die ganze Awards Season aufgebaut hat, fand seine Kulmination in dem Gewinn von Amy Madigan für Weapons in der Kategorie Beste Nebendarstellerin und Sean Penn für One Battle after Another in der Kategorie Bester Nebendarsteller. Ein historischer Sieg fand in der Kategorie für die beste Kameraführung (Cinematography) statt. Autumn Durald Arkapaw hat als erste Frau überhaupt den Oscar in dieser Kategorie gewonnen. Ihre hervorragende Arbeit mit langjährigem Kollaborator und Freund Ryan Coogler an Sinners hat diese Ehrung allemal verdient.

Was zum ersten Mal passierte

Die meiner Meinung nach schwierigste Kategorie dieses Jahr war die neu erschaffene Kategorie Bestes Casting. Dieser Oscar wurde dieses Jahr zum ersten Mal verliehen, was dafür sorgte, dass nicht klar war anhand welcher Kriterien die Academy die einzelnen Castingdirektoren auszeichnen würde. Am Ende gewann Cassandra Kulukundis für ihr Casting im Film One Battle after Another, der ersten Oscar in dieser Kategorie überhaupt. Ein verdienter Sieg, schon allein dafür, dass Kulukundis die Newcomerin Chase Infinit fand, welche sich gegenüber Hollywood Giganten wie Leonardo DiCaprio und Benicio del Toro in ihrem ersten Film überhaupt behaupten konnte.

Was mich als Filmenthusiastin dieses Jahr sehr gefreut hat war, dass es wirklich um das Feiern und Hochleben der Arbeit hinter den nominierten Filmen ging. Dies zeigte sich dabei, dass es keine billigen Witze auf die Kosten der nominierten Filme gab. So hat es mich vor allem gefreut, zu sehen, dass sich der Ton rund um die Kategorie Bester Animationsfilm geändert hat. Wo vor zwei Jahren die Filme in dieser Kategorie als reine Kinderfilme ohne Wert auf der Oscarbühne degradiert wurden, wurde die Kunstform Animation dieses Jahr wertgeschätzt.

Was alle erfreute

Die ganze Zeremonie war von Euphorie und Mitfreude für alle Siegerinnen und Sieger geprägt. Zu sehen, wie sehr sich Mitnominierte für die Sieger:innen in ihren Kategorien freuten, zeigte, dass eine Liebe zu Filme alle im Dolby Theater anwesenden Filmemacher:innen verbindet. Ein Highlight dieser Art war, als gegen Ende der Preisverleihung, Michael B. Jordan wohlverdient seinen Oscar für den besten Hauptdarsteller im Film Sinners abholen konnte und das ganze Theater ihn mit einer Standing Ovation bejubelte. Allgemein gab es viele Standing Ovations an dieser Zeremonie und jede einzelne war wohl verdient. Eine der besten war nach den Auftritten der nominierten Songs Golden von Kpop Demon Hunters und I Lied To You von Sinners. Beide Songs wurden in einem tollen Konzept gezeigt, wobei eine Art Live-Version der Filmszenen beider Songs in ihren Filmen choreografiert wurden. Auch wenn kein Interesse besteht, die ganze Zeremonie noch nachzuschauen, kann ich hoch empfehlen, beide dieser Auftritte noch zu schauen. Die Stimmung im Saal war auch sehr toll, als Paul Thomas Anderson nach 14 Nominierungen, verteilt über seine schon sehr lange Karriere, seinen ersten Oscar gewann. Im Ganzen konnte er für seinen Film One Battle After Another drei Oscars abholen. Alle sehr verdient.

Es war eine grossartige Oscarverleihung voller Spannung, Freude und Enthusiasmus für das Medium Film. Mich persönlich wird das High von dieser Oscarverleihung über die Müdigkeit am heutigen Tag tragen und ich hoffe diese Euphorie bleibt den Oscars noch lange erhalten.

 

Text Franziska Schwarz

Foto Academy of Motion Pictures Arts and Sciences


Alle Nominierten und Gewinner:innen der Oscar-Nacht

Best Picture

Bugonia

F1

Frankenstein

Hamnet

Marty Supreme

One Battle after Another

The Secret Agent

Sentimental Value

Sinners

Train Dreams

 

Best Director

Paul Thomas Anderson, One Battle after Another

Ryan Coogler, Sinners

Josh Safdie, Marty Supreme

Joachim Trier, Sentimental Value

Chloé Zhao, Hamnet

 

Actor in a Leading Role

Timothée Chalamet, Marty Supreme

Leonardo DiCaprio, One Battle after Another

Ethan Hawke, Blue Moon

Michael B. Jordan, Sinners

Wagner Moura, The Secret Agent

 

Actress in a Leading Role

Jessie Buckley, Hamnet

Rose Byrne, If I had legs I’d kick you

Kate Hudson, Song Sung Blue

Renate Reinsve, Sentimental Value

Emma Stone, Bugonia

 

Actor in a Supporting Role

Benicio del Toro, One Battle after Another

Jacob Elordi, Frankenstein

Delroy Lindo, Sinners

Sean Penn, One Battle after Another

Stellan Skarsgård, Sentimental Value

 

Actress in a Supporting Role

Elle Fanning, Sentimental Value

Inga Ibsdottir Lilleas, Sentimental Value

Amy Madigan, Weapons

Wunmi Mosaku, Sinners

Teyana Taylor, One Battle after Another

 

Writing (Adapted Screenplay)

Bugonia

Frankenstein

Hamnet

One Battle after Another

Train Dreams

 

Writing (Original Screenplay)

Blue Moon

It was just an accident

Marty Supreme

Sentimental Value

Sinners

 

Achievement in Casting (neue Kategorie dieses Jahr)

Nina Gold, Hamnet

Jennifer Vendetti, Marty Supreme

Cassandra Kulukundis, One Battle after Another

Gabriel Domingues, The Secret Agent

Francine Maisler, Sinners

 

Music (Original Score)

Bugonia

Frankenstein

Hamnet

One Battle after Another

Sinners

 

Music (Original Song)

Dear Me from Dianne Warren: Relentless

Golden from Kpop Demon Hunters

I Lied To You from Sinners

Sweet Dreams of Joy from Viva Verdi

Train Dreams from Train Dreams

 

International Feature Film

The Secret Agent, Brazil

It was just an accident, France

Sentimental Value, Norway

Sirāt, Spain

The Voice of Hind Rajab, Tunisia

 

Animated Feature Film

Arco

Elio

Kpop Demon Hunters

Little Amélie or The Character of Rain

Zootopia 2

 

Documentary Feature Film

The Alabama Solution

Come See Me in the Good Light

Cutting Through Rocks

Mr Nobody Against Putin

The Perfect Stranger

 

Documentary Short Subject

All the Empty Rooms

Armed only with a Camera: The Life and Death of Brent Renaud

Children No More: «Were and Are Gone»

The Devil is busy

Perfectly a Strangeness

 

Animated Short

Butterfly

Forevergreen

The Girl Who Cried Pearls

Retirement Plan

The Three Sisters

 

Live Action Short

Butcher’s Son

A Friend of Dorothy

Jane Austen’s Period Piece

The Singers

Two People exchanging Saliva

 

Costume Design

Avatar: Fire and Ash

Frankenstein

Hamnet

Marty Supreme

Sinners

 

Makeup and Hairstyling

Frankenstein

Kokuho

Sinners

The Smashing Machine

The Ugly Stepsister

 

Cinematography

Frankenstein

Marty Supreme

One Battle after Another

Sinners

Train Dreams

 

Sound

F1

Frankenstein

One Battle after Another

Sinners

Sirāt

 

Production Design

Frankenstein

Hamnet

Marty Supreme

One Battle after Another

Sinners

 

Film Editing

F1

Marty Supreme

One Battle after Another

Sentimental Value

Sinners

 

Visual Effects

Avatar: Fire and Ash

F1

Jurassic World Rebirth

The Lost Bus

Sinners