800 Franken für ein Konzert? Bei Harry Styles ist das keine unrealistische Summe. Wodurch wird der Preis von Live-Musik bestimmt und was sind Fans bereit dafür zu bezahlen?

 Harry Styles ist auf seiner Together Together Tour und hat im Sommer 2026 auch im Wembley Stadium in London für 12 Nächte Halt gemacht. Wer dabei sein wollte, musste allerdings unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Die günstigsten Sitzplätze kosteten umgerechnet rund 80 Franken; für einen Platz im vorderen Stehbereich wurden knapp 300 Franken fällig. Die teuersten VIP-Tickets kosteten £725.45, also umgerechnet knapp 800 Franken. Dafür gab es eine top Sicht auf den Superstar mit Einlass vor allen anderen, Appetizern in einer Lounge und ein Geschenkset mit «exklusiven Merch Items».

Ich selbst war für 210 Franken auch bei einem der Wembley-Konzerte dabei. Viel Geld für einen Abend, vor allem wenn man bedenkt, dass Konzerttickets längst nicht mehr nur bei den ganz grossen Popstars teuer sind. Doch wie kommen solche Ticketpreise überhaupt zustande?

Harry Styles bei seinem Konzert im Wembley Stadium in London

Wenn Nachfrage den Preis bestimmt

Ein grosser Teil der Preissteigerung lässt sich mit den Kosten der Veranstaltungen erklären. Hinter einem Konzert im Stadion steckt mehr als nur der Star, der auf der Bühne steht. Die Shows sind aufwendig und benötigen die entsprechende Infrastruktur wie Bühne, Licht- und Tontechnik, Personal sowie Sicherheitsmassnahmen. Veranstalter nennen höhere Gagen sowie gestiegene Kosten für die Infrastruktur als Gründe für die höheren Ticketpreise.

Doch steigende Kosten sind nicht die einzige Erklärung. Auch die Nachfrage bestimmt, wie viel für ein Ticket verlangt werden kann. Wenn viele Fans dieselben Künstler:innen sehen wollen, die Anzahl der Tickets aber begrenzt ist, steigt deren Wert.

Besonders deutlich wird das beim sogenannten Dynamic Pricing. Dabei können sich Ticketpreise abhängig von Nachfrage und Verfügbarkeit in Echtzeit – also noch während des laufenden Verkaufs – verändern. Beim Verkauf der Taylor-Swift-Tickets in den USA sorgte dieses Preismodell 2023 für grosse Kritik, nachdem einzelne Tickets für mehrere tausend Dollar angeboten wurden.

Es geht aber auch weniger offensichtlich, nämlich in Form der sogenannte «Platinum Tickets», wie sie auch bei Harry Styles von Ticketmaster angeboten wurden. Plätze werden dabei von Anfang an zu einem höheren Preis verkauft. Grundsätzlich handelt es sich dabei um dieselben Tickets wie bei den normalen Kategorien, in denen keine zusätzlichen Leistungen beinhaltet sind. Der Unterschied findet sich aber im Preis. Diese Art der Preisgestaltung macht die Diskussion um teure Konzerttickets kompliziert. Wo endet die Deckung gestiegener Kosten und wo beginnt die Ausnutzung einer besonders hohen Zahlungsbereitschaft?

Mehr als nur ein Konzert – Die Together Together-Experience

Online wird die Preisentwicklung teilweise deutlich kritisch gesehen. Unter Beiträgen zu den Konzerten und deren Preise äussern Fans ihren Unmut über die zunehmende Kommerzialisierung der Musikbranche. Ein Kommentar bringt diese Haltung zugespitzt auf den Punkt: «capitalism all the time, music occasionally». Gemeint ist damit, dass bei immer grösseren Shows und immer teureren Tickets die Musik selbst von Vermarktung und Gewinn in den Hintergrund gedrängt werden könnte. Die Meinungen gehen allerdings auseinander. Für manche ist ein teures Konzertticket eine bewusste Investition in einen besonderen Abend; andere ziehen eine Grenze und verzichten je nach finanzieller Situation mehr oder weniger freiwillig auf das Konzert.

Vor Ort an Styles’ Konzert zeigte sich ein entspanntes Bild und eine ausgelassene Stimmung. Die Leute waren begeistert, feierten die Show und tanzten mit zu neuen Songs wie Are You Listening Yet und Klassikern wie As It Was. Zum Konzert gehörte nicht nur die Zeit, in der Harry Styles auf der Bühne stand: Rundum das Wembley Stadium wurde die Together Together-Experience mit verschiedenen interaktiven Fanbereichen ergänzt. Es gab Pop-Ups mit Photobooths, eine Mosaikwand, an der Fans mitgestalten konnten, und einen Raum, in dem man zu Styles’ Disco-Album tanzen konnte. Auch ausserhalb des Stadions gab es thematisch gestaltete Fotospots. All das hat den Konzertbesuch zu einem Gesamterlebnis gemacht.

Fotomöglichkeit vor dem Stadium: Treppen im Together Together Design

Wo liegt die Schmerzgrenze?

Noch scheint die Nachfrage nach grossen Namen wie Harry Styles ungebrochen. Die ausverkauften Shows und langen Schlangen im Vorverkauf sprechen dafür, dass genügend Fans bereit sind viel Geld zu bezahlen. Solange das so bleibt, haben Veranstalter wenig Grund, ihre Preise zu senken.

Auch in der Schweiz zeigt sich, dass die Ticketpreise in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen sind als die allgemeine Teuerung. Laut einer Auswertung der AWP-Finanznachrichten sind Schweizer Festivaltickets in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt um rund 41 Prozent teurer geworden. Besonders stark war der Anstieg der Preise für Mehrtagespässe. Die allgemeine Teuerung lag im gleichen Zeitraum laut SRF bei 7,7 Prozent.

Die Frage ist deshalb, wie lange Musikfans diese Entwicklung noch mittragen. Gerade für junge Menschen können mehrere hundert Franken einen grossen Teil des verfügbaren Budgets ausmachen. Gleichzeitig bleibt der Reiz von Live-Musik bestehen. Ein Konzert lässt sich nicht durch Streaming ersetzen. Die Atmosphäre und ein gemeinsames Erlebnis mit anderen Menschen sowie der Moment ein:e Künstler:in tatsächlich auf der Bühne zu sehen, sind Grund genug die Kreditkarte zu zücken.

Dennoch wird auch politisch inzwischen über den Ticketmarkt diskutiert. Die britische Regierung hat in den vergangenen Jahren strengere Regeln für den Ticketweiterverkauf angekündigt. Sie will unter anderem verhindern, dass Tickets auf dem Zweitmarkt mit Gewinn weiterverkauft werden, und sieht eine Preisobergrenze für solche Verkäufe vor. Gleichzeitig soll der Ticketverkauf transparenter werden. In der Schweiz sind solche Regulierungen nicht vorgesehen. Offizielle Plattformen wie Ticketcorner oder Ticketmaster ermöglichen einen Weiterverkauf von Tickets allerdings ebenfalls nur zum Originalpreis.

Bei Harry Styles konnte man im Wembley für 80 Franken dabei sein oder das Zehnfache für das teuerste VIP-Angebot bezahlen.

Meine Freund:innen und ich haben 210 Franken pro Ticket bezahlt. Bereut habe ich den Kauf insbesondere deshalb nicht, weil sich der Konzertbesuch nicht nur auf die eigentliche Show beschränkt hat. Gleichzeitig bleibt der Preis hoch und ein Kauf eine bewusste Entscheidung.

Auch Lisanne, die am Konzert dabei war, empfand den Preis als eher hoch. Trotzdem sei er durch die Show für sie gerechtfertigt gewesen. Sie sass auf einem bequemen Platz und konnte Styles gut sehen. Besonders die Show selbst hat sie in den Bann gezogen: das Feuerwerk am Ende, die Tänzer:innen sowie die Band machten den Abend für sie zu einem besonderen Erlebnis. «Once in a lifetime», beschrieb sie das Konzert. Ein zweites Mal würde sie dafür wohl dennoch nicht wieder so viel Geld ausgeben. Die unterschiedlichen Reaktionen der Fans zeigen, dass zwischen Begeisterung und Kritik eine Grenze verläuft, die jede Person für sich selbst zieht.

 

Text und Foto Nicole Reber