Die Erde von oben sehen, das Gefühl von Schwerelosigkeit erleben und dabei massive CO2-Emissionen verursachen? Möglich für die Reichsten dieser Erde.

Die Faszination für den Weltraum ist gross. Auch Nicht-Forschende würden viel dafür geben die Erdatmosphäre einmal zu verlassen. Tickets sind aber nur für die reichsten Erdbürger:innen zugänglich. Weltraumtourismus gibt es schon länger und das Interesse daran steigt stetig.

Die Reichsten in der Erdumlaufbahn

Im April letzten Jahres flogen die Sängerin Katy Perry und fünf weitere wohlhabende Frauen ins Weltall. Weniger als elf Minuten dauerte ihre Reise in der Blue Origin-Rakete von Jeff Bezos – eine Reisezeit, in der man nicht einmal zu Fuss vom Bahnhof Fribourg ins Pérolles kommt. Ihr Flug kostete mutmasslich zwischen 200 und 300 Tausend US-Dollar – wobei die Reisenden wahrscheinlich eingeladen wurden. Breit präsentierten, diskutierten und kritisierten die Medien und Social-Media-Nutzer:innen diesen teuren Ausflug – und das zu Recht. Im Gegensatz zu den Astronaut:innen, die für Forschungszwecke ins All fliegen, bezeichnet man solche kommerziellen Flüge als Weltraumtourismus. Es war nicht der erste dieser Art.

Beginn des Weltraumtourismus

1961 verliess der sowjetische Juri Alexejewitsch Gagarin als erster Mensch die Erde. Dies geschah im Kontext des Wettlaufs ins All zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion während des Kalten Krieges. Seither durften zahlreiche Forscher:innen eine Reise ins All antreten. Dass Laien die Möglichkeit haben, die Erde mit ihren eigenen Augen von oben zu betrachten, ist eine neuere Entwicklung. Erst seit der Jahrhundertwende bieten verschiedene Unternehmen kommerzielle Reisen in den Weltraum an. Die Faszination und der Wunsch, diese Reise als Tourist:in antreten zu dürfen, bestand allerdings schon Jahrzehnte davor.

Mit dem Titel «erster Weltraumtourist» kann sich der US-amerikanische Unternehmer und NASA-Ingenieur Dennis Tito rühmen – seine Reise im Jahr 2001 kostete ihn 20 Millionen Dollar. Obwohl der japanische Fernsehjournalist Toyohiro Akiyama schon zehn Jahre zuvor im Auftrag seines Arbeitgebers als erster Privatbürger ins All reiste, wird ihm generell nicht der Titel des «ersten Weltraumtouristen» zugestanden. Dies, weil Akiyama seine Reise nicht selbst bezahlen musste und sein Ausflug ins All gewissermassen eine Geschäftsreise war. Bis 2021 erkauften sich bereits sieben reiche Personen einen Flug ins All. Anstatt ihr Geld in Projekte zu stecken, die der Umwelt oder der restlichen Bevölkerung dienen, verblasen sie es buchstäblich in die Luft.

Auf der SpaceX-Webseite besteht heute die Möglichkeit, sich für Reisen in die Erdumlaufbahn anzumelden und offiziell über Reisen zum Mars, in die Mondumlaufbahn oder zur Internationalen Raumstation zu informieren. Bei der Anmeldung muss man allerdings einwilligen, dass die eigenen finanziellen Mittel überprüft werden. Denn für einige Tage im All mit Elon Musks Unternehmen muss man mindestens 55 Millionen blechen.

Umweltschäden

Die Umwelt leidet unter Weltraumtourismus. Wie jeder Flug ins Weltall hat auch ein Tourismusflug massive CO2-Emissionen zur Folge. Verglichen mit einem Langstreckenflug, stösst eine Fahrt ins All doppelt so viel CO2 aus. Auf den einzelnen Fahrgast runtergerechnet, sind die Emissionen pro Kopf also massiv höher.

Die Gase, die ein Flug ins All ausstösst, landen direkt in den höheren Schichten der Atmosphäre, wo diese als Treibhausgase verbleiben. Sie schaden ausserdem der Ozonschicht. Aber nicht nur die Umwelt der Erde, sondern auch die Umwelt des Weltraums trägt Folgen davon – zum Beispiel durch Weltraumschrott. Dieser verglüht entweder in der Erdatmosphäre, wo er schädliche Partikel freisetzt, oder er verbleibt in der Umlaufbahn der Erde.

Die Kosten für Weltraumfahrten sollen in Zukunft sinken, um diese zugänglicher zu machen. Geld sparen die Unternehmen dann dadurch, dass die Raketenteile wiederverwendbar werden. Trotzdem werden diese Reisen in die Schwerelosigkeit noch lange ein extremes Luxusgut bleiben.

 

Text Angelika Scholz