Das Weltall fasziniert die Menschheit schon immer. Als die Möglichkeiten bereitstanden, Menschen ins All zu schicken, wurde diese sofort gepackt. Doch wie hat die Menschheit das unendliche Weltall geprägt?
«That’s one small step for man, one giant leap for mankind.» Wohl eines der berühmtesten Zitate der Zeitgeschichte. Als die Astronauten der Apollo 11 Mission auf dem Mond ankamen und als erste Menschen den Mond betraten, sprach Astronaut Neil Armstrong diese unvergesslichen Worte. Die Menschheit hatte das unmögliche geschafft. Menschen waren auf dem Mond. Ein erfolgreiches Ende einer jahrelangen Mission zum Mond. Und dort hörten die Ambitionen der Menschheit weit nicht auf. Seit der Apollo 11 Mission entwickelten Forscher:innen auf der Welt Marssonden, die International Space Station und erst im Frühling dieses Jahres schickte die NASA vier Astronaut:innen auf eine Mondumkreisung. Doch wer in der Weltgeschichte hat das Weltall und seine Auffassung bei uns auf der Erde geprägt?
Beginn der Raumfahrt
Das Weltall erforschen die Menschen schon seit Beginn der Geschichte. In der Antike wurden Teleskope gebraucht, um die Sterne zu dokumentieren und der Nachthimmel dienten in vielen Zivilisation zur Navigation. Doch die Mittel um Menschen oder andere lebende Erdbewohner:innen ins All zu schicken wurden erst am Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt. Viele Astrophysiker haben zu dieser Zeit festgestellt, dass die bis daher üblichen Antriebsstoffe nicht reichen würden, um eine Rakete in das Weltall zu senden. Doch sie erkannten auch, dass bereits bekannte flüssige Raketentreibstoffe wie Wasserstoff dies erreichen könnten. Bevor dies in Praxis umgesetzt wurde, brauchte es aber noch Zeit. Die erste Rakete wurde im nationalsozialistischen Deutschland im Jahr 1942 ins Weltall geschickt. Diese Rakete diente jedoch nicht dem Erforschen des Weltalls, sondern sollte als Kriegsmaschine eingesetzt werden. Bei verschiedenen Tests wurde die Stärke der Rakete genauer untersucht. Nach nur einigen Test war sie Kriegsbereit, doch es wurde weiter getestet, bis die Rakete schliesslich eine Höhe von 184 km erreichte. Sie überschritt somit die Karaman-Linie, eine Linie auf 100 km über dem Meeresspiegel, die die Grenze des Weltalls definiert. Und auch sonst hat der Zweite Weltkrieg Fortschritte für die Raketenforschung bedeutet. Nicht nur die Nationalsozialisten, sondern auch die Sowjets hatten es geschafft Raketenflugzeuge zu bauen und für Kriegszwecke einzusetzen. Das Ende des Kriegs bedeutete aber nicht, dass die dabei erkannten Fortschritte für die Eroberung des Weltalls aufhörten.
In der Sowjetunion begann der Bau von Raketen, die bis ins All kommen sollten, schon in den 1930er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung von Deutschland, bekam die sowjetische Raumfahrtforschung neuen Antrieb. Den Sowjets gelang es dann am 4. Oktober 1957 der erste Satellit, Sputnik, auf die Erdumlaufbahn zu schicken. Der Westen wurde dadurch in den sogenannten Sputnik-Schock versetzt. Der Sowjetunion den Weltraum zu überlassen war für die westlichen Mächte, vor allem die Vereinigten Staaten, während dem Kalten Krieg keine Option. Das Rennen zum Mond begann.
Die berühmteste Hündin des Alls
Nach dem Erfolg der Sowjetunion und ihrem Sputnik Satellit, wurde die Raumfahrt in den USA auch eine Priorität. Die Idee den Weltraum genauer zu erforschen, wurde zu einem der Top Themen der amerikanischen Politik. Während der gleichen Zeit schritt die Raumfahrt in der Sowjetunion schnell weiter und im gleichen Jahr gelang es der UdSSR ein Lebewesen in das All zu schicken: Laika. Laika ist wahrscheinlich vielen ein Begriff. Sie war eine Hündin und das erste Lebewesen, das jemals die Karaman-Linie überschritten hat. Laika war ein Streuner in Moskau und wurde dort für die Mission ausgewählt. Sie war etwa drei Jahre alt. Den Namen Laika bekam sie erst später und wurde vom russischen Wort für Kläffer abgeleitet. Am 3.November 1957 wurde Laika in die Erdumlaufbahn geschickt. Ihre Rückkehr war nie geplant. Die Forscher rechneten damit das Laika ihren Flug ins All nicht überleben wird. Die genauen Umstände um Laikas Tod wurden lange von der sowjetischen Regierung geheim gehalten. Später stellte sich heraus, dass Laika den Weltraum erreicht hat, jedoch an einem Hitzetod und übermässigem Stress starb, da ihre Kapsel nicht genügend isoliert war. Die Mission war in Augen der Sowjetunion trotzdem ein Erfolg und zeigte den amerikanischen Konkurrenten, dass die sowjetische Raumfahrt der amerikanischen einige Schritte vor war.
Dieser Fortschritt wurde im Jahr 1961 klar, als Juri Gagarin als erster Mensch den Weltraum erreichte, die Erde umkreiste und auch wieder auf die Erde zurückkam. Eine Mission die nur durch Laikas Reise überhaupt möglich wurde. Um auf den Fortschritt der UdSSR zu antworten versprach Präsident John F. Kennedy einen Monat nach Gagarins Reise ins All, dass die USA bis Ende des Jahrzehnt Menschen auf den Mond schicken wird. Ein grosses Versprechen, welches den Kampf der beiden Supermächte über das Weltall noch mehr anheizte. Den Amerikanern gelang es 1962 einen Menschen in die Erdumlaufbahn und zurückzubringen. Doch die Reise auf den Mond wurde erst durch das Apollo-Programm möglich. Mit der Apollo 8 wurde erstmals der Mond umkreist und mit der Apollo 11 Mission war es so weit: Menschen wurde auf den Mond geschickt. Die Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin landeten am 20. Juli 1969 auf dem Mond, wo Armstrong anschliessend sein berühmtes Zitat direkt in Radios und Fernseher der ganzen Welt schickte. Die USA hat das Rennen zum Mond schliesslich doch gewonnen. Die Erkundung des Weltalls war damit aber noch lange nicht abgeschlossen.
Houston hatte mehrere Probleme
Neben der Apollo 11 Mission zum Mond, ist wohl die Reise der Apollo 13 die zweitberühmteste Reise zum Mond. Dies jedoch nicht wegen triumphalen Fortschritten. Jedoch gab es auch dabei ein sehr berühmtes Zitat: «Houston, we have a problem.» Das Zitat stimmt so zwar nicht ganz, ging jedoch in dieser eigentlich falschen Version in die Geschichte ein. Das genannte Problem war, dass die Apollo 13 auf dem Weg zum Mond ein Tank explodierte und so das Leben der drei Astronauten an Bord der Apollo 13 in Gefahr war. Was als Routineflug des Apollo-Programms startete, wurde zur internationalen Mediensensation. Die einzige Lösung um die Astronauten Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise wieder zur Erde zurückzubringen war ein Swing-By-Manöver. Sie mussten den Mond umkreisen und die Mondanziehungskraft als eine Art Katapult zurück zur Erde nutzen. Während mehreren Tagen verfolgte die ganze Welt das Manöver, um herauszufinden ob die drei Männer wieder sicher auf der Erde landen werden. Die erfolgreiche Rückkehr der drei Astronauten sorgte dafür, dass die Apollo 13 Mission auch «NASA’s finest hour» genannt wurde.
Die Faszination damit Menschen auf den Mond zuschicken, liess nach Ende des Apollo Programms im Jahr 1972 nach. Die Menschheit fokussierte sich auf andere Arten das Weltall zu erkunden. Es wurden zahlreiche Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht und Sonden auf andere Planeten geschickt. Weiterer Fokus wurde auf die Entwicklung von Space-Shuttles gelegt, welche essenziell für den Bau und die Inbetriebnahme der International Space Station (ISS) waren. Doch diese Shuttle Programme stiessen auf grosse Probleme. Vor allem der Unfall der Challenger Rakete war ein Grund dafür wieso die Faszination der allgemeinen Bevölkerung mit der Idee Menschen ins All zuschicken immer mehr schwand. Die Challenger Rakete sollte am 28. Januar 1986 mit einer siebenköpfigen Mannschaft ins Weltall starten. Doch die Rakete explodierte nur 72 Sekunden nach Start vor laufenden Kameras. Alle sieben Frauen und Männer der Mannschaft verstarben und die Katastrophe gilt als die grösste der amerikanischen Raumfahrtgeschichte.

Schweizer in den Sternen
Ende des 20. Jahrhunderts fingen verschiedene Raumfahrtprogramme an, ihren Fokus auf bemannte Weltallstationen zu richten. Die wohl berühmteste davon ist die ISS. Obwohl die ISS zuerst als Militärstützpunkt für die USA geplant war, wandelte sie sich gleich zu Beginn ihres Aufbaus im Jahr 1998 zu einer internationalen Raumstation um. Sie wird von 16 Staaten in Kooperation geführt und ist das grösste menschengeschaffene Objekt im Weltall. Die 16 Staaten, die die ISS unterstützen werden durch fünf verschiedene Raumfahrtorganisationen vertreten. Darunter die NASA, die russische Roskosmos, die europäische Raumfahrtorganisation ESA, die kanadische CSA und die japanische JAXA. Auch die Schweiz ist demnach beteiligt. Die Schweiz ist ein Gründungsmitglied der ESA und somit auch am Effort rund um die ISS dabei. Und zwar richtig dabei. Schon zwei Schweizer Astronauten wurden vom ESA gewählt an ihrem Training für die ISS teilzunehmen. Ein grosser Erfolg für ein so kleines Land wie die Schweiz, wo die nötige Ausbildung um Astronaut zu werden eher selten sind. Der erste Schweizer Astronaut war der in Vevey geborene Claude Nicollier. Er war 1976 bei der ESA als Wissenschaftler als er sich zur Astronautenausbildung bewarb und 1977 wurde Nicollier für die erste ESA-Astronautengruppe ausgewählt. Nicollier wurde im Jahr 1992 zum ersten Schweizer im All. Über seine Astronautenkarriere war er viermal im All. Im Jahr 1999 wurde er bei einer Mission zum Hubble-Teleskop der erste Europäer der einen Spaziergang im Weltall machte. Die Schweiz überflog er auf einer seiner vier Reisen jedoch nie. Momentan hat die Schweiz ihren zweiten Astronauten im ESA. Der in Biel geborene Marco Sieber wurde im Jahr 2022 vom ESA zur Astronautenausbildung ausgewählt. Diese vollendete er erfolgreich 2024. Zurzeit trainiert Sieber für seine erste Mission ins All, ein Flug zur ISS.
Text Franziska Schwarz
Illustration Daniela Schwarz
