Science-Fiction verpackt menschliche Themen in ein futuristisches Setting, oft im Weltall. Die Gründe, weshalb dieses Genre uns begeistert, sind vielfältig.
Der Science-Fiction-Film «Project Hail Mary», der auf dem gleichnamigen Buch beruht, ist einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Im Film geht es um den Wissenschaftler Ryland Grace, gespielt von Ryan Gosling, der sich ganz allein im Weltall befindet. Seine Aufgabe: die Welt retten. Ausserirdische Mikroorganismen, sogenannte Astrophagen, entziehen der Sonne ihre Energie, wodurch der Erde die Auskühlung droht. Für dieses Problem soll Grace eine Lösung finden. Dabei trifft er auf das steinerne Alien Rocky, dessen Heimatplanet vom selben Problem bedroht ist. Sie schliessen sich zusammen und freunden sich an. Freundschaft und Einsamkeit sind zentrale Themen des Filmes. Auch viele andere Science-Fiction-Geschichten handeln von solch menschlichen Thematiken, das Weltall dient dabei oft eher als Rahmen für alltägliche Konzepte. Aber was fasziniert uns an Science-Fiction besonders?

Wissenschaft als Basis
Wie sich aus dem Namen ableiten lässt, stützt sich Science-Fiction auf reale Wissenschaft. Das Genre verbindet Wissenschaft mit Fiktion und entwickelt wissenschaftliche Theorien weiter. In «Project Hail Mary» beispielsweise basieren die ausserirdischen Mikroorganismen auf echten Bakterien, die Sonnenlicht als Energiequelle nutzen. Jedoch ist es nicht realistisch, dass die Astrophagen so viel Sonnenlicht aufnehmen können, dass die Energie der Sonne nicht mehr für die Erde reichen würde.
Tau Ceti, der Stern zu dem Grace reisen muss, gibt es tatsächlich. Er ist 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernt. Um möglichst zeitnah dorthin zu reisen, werden in der Geschichte die bereits erwähnten Astrophagen genutzt. Durch ein Photonenbetriebswerk kann das Schiff beinahe mit Lichtgeschwindigkeit reisen. In der Realität können nur sehr leichte Lichtsegel diese Geschwindigkeit mit Photonen erreichen, nicht ein ganzes Raumschiff. Mit den heute genutzten Treibstoffen würde Graces Reise nach Tau Ceti 320’000 Jahre dauern, nicht wie in der Geschichte vier Jahre (13 Jahre auf der Erde). Der Heimatplanet des Aliens Rocky dreht sich um einen Stern namens Eridani. Sowohl bei Tau Ceti als auch bei Eridani vermuteten Forschende, dass auf einem Planeten in diesen Systemen Leben möglich ist, obwohl die Existenz von Eridani mittlerweile umstritten ist.
Eskapismus mit Realitätsbezug
Diese wissenschaftliche Grundlage ist ein Faktor, weshalb Science-Fiction beliebt ist. Sie macht Wissenschaft greifbarer und inspiriert sogar Forschende. Die Geschichten handeln oft von den möglichen Folgen aktueller Probleme. Sie erlauben den Lesenden oder Zuschauenden Was-wäre-wenn-Vorstellungen in einem sicheren Umfang. Science-Fiction bietet Raum, Grenzen zu testen und sich über mögliche Konsequenzen gegenwärtiger Probleme Gedanken zu machen. Das kann auch dazu inspirieren, sich für die Zukunft einzusetzen, die man selbst sehen will.
Ein weiterer Beliebtheitsfaktor von Science-Fiction ist, dass das Genre Platz bietet, sich mit menschlichen Themen wie Freundschaft, Liebe oder Familie auseinanderzusetzen und sich trotzdem nicht mit der gegenwärtigen Realität befassen zu müssen. Es geht oft um Kriege, Diplomatie, Aufbruch sowie Scheitern und somit um grundlegende menschliche Muster. Diese Thematiken führen dazu, dass das Publikum sich in den Geschichten wiederfinden kann, wobei das futuristische Setting gleichzeitig Distanz zum alltäglichen Leben schafft. Neben Freundschaft und Einsamkeit sind in «Project Hail Mary» auch Aufbruch und Scheitern zentrale Themen, da Grace ins Weltall geht, um die Welt zu retten.
Die Ästhetik des Weltalls
Auch die ästhetischen Aspekte von Science-Fiction-Filmen sind ein wichtiger Beliebtheitsfaktor des Genres. Durch die Bilder taucht das Publikum in fremde Welten mit ausserirdischem Leben und Raumstationen ein, was einen zum Staunen bringen kann. Die Bildwelt in «Project Hail Mary» ist ebenfalls beeindruckend, besonders die Raumschiffe von Grace und Rocky. Das Publikum lernt, besonders durch das steinerne Alien, neue Lebensformen kennen. Übrigens: beim Staunen ist man offen für neue Gedanken, Science-Fiction-Filme haben also durchaus etwas Produktives.
Text Lina Hofmänner
Foto TotallyWitchy / Project Hail Mary Wiki – Fandom
