Ihr Leben wird von Gedanken ans Essen bestimmt, ein Essanfall folgt dem nächsten. Wie behandelt man Betroffene am besten? Die BEAT Studie von Prof. Dr. Simone Munsch der Universität Freiburg untersucht die Effektivität einer Therapie für an Binge-Eating leidenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Spectrum hat mit der Studienkoordinatorin Felicitas Forrer, Doktorandin an der Universität Freiburg, gesprochen.

Weltweit leiden knapp drei Prozent der Bevölkerung an einer Binge-Eating-Störung. Diese Menschen sind regelmässig mit sogenannten Essanfällen konfrontiert, bei denen sie die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme verlieren. Für betroffene Erwachsene gibt es erforschte Therapieprogramme. Aufgrund fehlender Angebote und mangelnder Forschung gibt es bisher jedoch kaum Evidenz zur Wirksamkeit von Therapieangeboten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das möchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Freiburg ändern „Viele herkömmliche Behandlungen sind für das Jugend- und junge Erwachsenenalter nicht evaluiert,“ erklärt Forrer. Die BEAT Studie hat zum Ziel genau dies im Bereich Binge-Eating zu tun. „Wir gehen davon aus, dass bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch andere Bedürfnisse im Vordergrund stehen als bei Erwachsenen und entwicklungsspezifische Mechanismen vorliegen, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung von regelmässigen Essanfällen beitragen. Man muss in der Therapie entsprechend andere Schwerpunkte berücksichtigen und hinzuziehen,“ ist Forrer überzeugt.

Mehr als Heisshunger

Felicitas Forrer, Studienkoordinatorin und PhD Studentin an der Universität Freiburg

 

Doch wie zeichnet sich eine Binge-Eating-Störung aus? Das man ab und zu aus Heisshunger, Traurigkeit oder Stress zu viel Nahrung zu sich nimmt, sei normal. Essanfälle im Rahmen einer Binge-Eating-Störung würden sich in zweierlei Hinsicht unterscheiden: Die grosse Menge an Essen, die in einem abgrenzbaren Zeitraum gegessen wird und das Gefühl eines Kontrollverlustes darüber, was und wie viel man isst. „Häufig sind diese „Essanfälle“ auch verbunden mit einem schnellen und durcheinander Essen, ohne Hunger bis hin zu einem unangenehmen Völlegefühl. Als Folge dieser Essanfälle stellen sich oft Scham- und Schuldgefühle ein, die einen hohen Leidensdruck verursachen,“ führt Forrer aus.

Speziell fürs Jugendalter

Der zusätzliche Schwerpunkt den Prof. Dr. Simone Munsch und Felicitas Forrer mit der BEAT Studie setzen möchten, ist der Einbezug zwischenmenschlicher Schwierigkeiten und der Umgang mit Zurückweisung. Dieses Thema ist besonders im Jugend- und jungen Erwachsenenalter sehr wichtig, da in dieser Zeit die soziale Akzeptanz durch Gleichaltrige besonders wichtig ist und wesentlich zur Entwicklung der psychischen Gesundheit beiträgt.

Eine perfekte Mischung

Für die Studie werden noch weitere Teilnehmer und Teilnehmerinnen gesucht, die an einer Binge-Eating-Störung bzw. regelmässigen Essanfällen leiden. Ihnen wird im Rahmen der Studie ein innovatives „Blended-Treatment“, das heisst eine Mischbehandlung angeboten. Diese besteht zum einen aus Therapiesitzungen in Form von Workshops und zum anderen aus Email-begleiteter Selbsthilfe im Alltag. Bei Letzteren erhalten die Teilnehmenden Infos und Aufgaben per Mail und versuchen diese in ihrem Alltag umzusetzen. Zudem werden Videos, die Studierende speziell für dieses Projekt erstellt haben, zur Informationsvermittlung eingesetzt.

Erleben Sie Essanfälle? Möchten Sie etwas dagegen tun und mehr über die Studie erfahren? Dann melden Sie sich jetzt bei Frau Msc Felicitas Forrer, Universität Fribourg           Tel. 026 300 76 58        Email: BEAT@unifr.ch           Kontakt