Shein gehört zu den grössten Fast Fashion Konzernen, die täglich neue Kollektionen herausbringen. Alles nur Mode – oder?

 

Nachhaltigkeit ist ein immer grösseres Thema. Viele passen ihren Lebensstil an und ernähren sich gesund und regional. Doch die Fashion Industrie geht oft vergessen. Fast Fashion ist extrem günstige Mode mit ständig wechselnden Kollektionen. Früher ging es Monate, bis eine neue Kollektion für den Verkauf in den Geschäften bereit war. Heute nur noch wenige Wochen. Es ist sicherlich attraktiv, günstig Mode zu kaufen, aber kennen wir den wahren Preis, den wir damit bezahlen?

Einer der grössten Fast Fashion Konzerne

Shein wurde durch die Social Media Plattform Tiktok bekannt. Unter dem Hashtag #sheinhaul zeigen Tik Tok User, was sie sich alles auf der Webseite bestellt haben. Teilweise präsentieren sie Berge von Kleidern, denn günstige Mode kann man sich leisten.

Shein behauptet zwar, «faire Arbeit zu praktizieren und sich proaktiv gegen unethische Praktiken einzusetzen.» Aber es lässt sich nicht erklären, wie diese Bedingungen einzuhalten sind und Shein trotzdem täglich Millionen von neuen Kleidungsstücken produziert und zu einem Spottpreis verkauft.

Der Konzern hat neben Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung auch mit Plagiatsvorwürfen zu kämpfen. Viele Designs würden von anderen Modemarken kopiert. Dazu kommt die Anschuldigung, dass toxische Chemikalien zur Herstellung verwendet werden.

Ästhetisch, aber nicht ethisch

Solche Fast Fashion ist ein Problem für Ethik und Umwelt. Die Produktionsbedingungen werden selten hinterfragt und den Einfluss, den Fast Fashion auf unsere Umwelt hat, oft vergessen.

Heute leben wir im Überfluss. Wir kaufen mehr als wir brauchen und Konzerne wie Shein unterstützen dieses System. Der Aggregator für nachhaltige und ethische Modemarken «good on you» fasst die wichtigsten Probleme zusammen:

Keine der Lieferketten von Shein ist durch Arbeitsnormen zertifiziert, die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer*innen sowie existenzsichernde Löhne gewährleisten. Selten werden umweltfreundliche Materialien für die Produktion verwendet. Stoffe werden oft mit giftigen Chemikalien gewaschen. Diese schaden sowohl den Arbeiter*innen als auch den Käufer*innen. Leider gibt es keine Hinweise darauf, dass sinnvolle Massnahmen gegen all diese Missstände ergriffen werden.

Mehrere Berichte von Hilferufen der Arbeiter*innen auf den Etiketten haben im Netz die Runde gemacht und lassen Fragen bezüglich der Arbeitsbedingungen offen. Shein hat zu diesen Meldungen kaum Stellung genommen.

Warum ist Shein trotz allem so erfolgreich?

Trotz der zahlreichen Beschuldigungen ist Shein einer der erfolgreichsten Fast Fashion Konzerne. Ein Grund dafür ist, dass Shein am schnellsten Fast Fashion produziert. Laut einer Pressemitteilung von Shein kommen jeden Tag 500 neue Teile ins Sortiment, die direkt dem neusten Trend folgen. Die Webseite erinnert weniger an eine klassische Shoppingseite und mehr an ein soziales Netzwerk. Nutzer erhalten Punkte, wenn sie die App auf dem Handy öffnen, eine Bestellung aufgeben oder Produktrezensionen schreiben. Die Punkte werden dann gegen Gutscheine eingetauscht, mit denen noch mehr gekauft werden kann.

Ein weiterer Grund ist sicherlich auch der Preis. Während H&M und Co. in der Schweiz einen Pullover für 20 Franken anbieten, gibt es einen sehr ähnlichen Pullover auf Shein nur für 5 Franken. Vor allem Jugendliche schätzen diesen bezahlbaren Preis, ohne dessen Wert zu hinterfragen.

Auch auf Social Media macht Shein ordentlich Werbung durch Kollaborationen mit Influencer*innen. Eine davon ist Bianca Classen, besser bekannt als Bibisbeautypalace. Sie hat beispielsweise bei Werbeaktionen Gutscheine im Wert von 500 Euro für den Online-Shop verlost. Ebenfalls Werbung macht Shein mit dem «Shein together»-Fest. Dabei handelt es sich um ein digitales Musikfestival, an dem Stars wie Katy Perry und Lil Nas X auftraten.

Der Hype für die billige Mode ist riesig. Fast Fashion ist schon seit Jahren ein Problem, aber der Konzern Shein bringt den Kaufwahn auf ein neues Level. Meiner Meinung nach wird das Problem der Fast Fashion erst gelöst werden, wenn alle realisieren, was für Folgen es haben kann, wenn man lieber ein Pullover für 5 Franken kauft anstatt für 20.

 

Text: Lea Müller

Bild: Unsplah