In der Nacht vom 10. auf den 11. März fand in Hollywood die 96. Oscarverleihung statt. Die (wirklichen) Gewinner und Verlierer im Überblick.

Nicht nur die Stars, die mit dem begehrten Goldmann von der Oscarverleihung heimkehren, sind Gewinner. Eine Zusammenfassung über die Gewinner und Verlierer der Oscarnacht.

Gewinner: Fernsehzuschauer:innen in Europa

Seit Jahren müssen europäische Zuschauer:innen, welche die Oscarverleihung live mitverfolgen wollen, mitten in der Nacht aufstehen. Doch dieses Jahr hat sich die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, welche die Oscars verleiht, dazu entschieden, die Zeremonie früher zu beginnen. Für Oscarenthusiast:innen in Europa eine tolle Nachricht. Die Verleihung startete dieses Jahr schon um Mitternacht – und nicht erst zwischen 2:00 oder 3:00 Uhr in der Nacht. Die schnell durchgeführte, aber nicht gestresste, Zeremonie war um etwa 03:30 Uhr fertig, was bedeutete, dass Zuschauer:innen vor dem Beginn des Tages noch einige Stunden Schlaf nachholen konnten. Eine Änderung, die beibehalten werden sollte – dies nicht nur, weil viele verhinderten Augenringe es der Academy danken werden.

Verlierer: Bradley Coopers Dirigenten-Bootcamp

Bradley Cooper auf dem roten Teppich

Bradley Cooper will unbedingt einen Oscar gewinnen. Verständlich, es ist immerhin der begehrteste Filmpreis der Welt. Jedoch war die Konversation rund um Coopers Anstrengungen eher negativ. Sein Film «Maestro» über das Leben von Dirigent Leonard Bernstein sollte für ihn einen Oscargewinn garantieren. Cooper spielte nicht nur die Hauptfigur Bernstein, er führte auch Regie, war Produzent und schrieb das Drehbuch. Beim Endspurt der Awards Season wurde grossen Fokus daraufgelegt, dass er sechs Jahre lang lernte, richtig zu dirigieren. Jedoch haben viele wirkliche Dirigenten beim Erscheinen des Films klar gesagt, dass er dies leider nicht tut. Grosser Aufwand für keinen Oscargewinn. Sorry Bradley, vielleicht das nächste Mal!

Gewinner: Gen Z Filmfans

Bilie Eilish und Finneas O’Connell mit ihren zweiten Oscars

Normalerweise macht sich Hollywood bei prestigeträchtigen Events wie dem Oscar gerne mal über junge Leute lustig. Sie seien Kunstbanausen, nur auf TikTok und Social Media unterwegs oder ähnliches wird der jüngeren Generation gerne angehängt. Doch dieses Jahr war die Gen Z eine der klaren Gewinner des Abends, dank Billie Eilish. Die 22-Jährige hat für ihren Song «What Was I Made For?» vom Film «Barbie» ihren zweiten Oscar abgeholt. 2020 gewann sie, zusammen mit ihrem Bruder Finneas O’Connell, den Preis für den James-Bond-Song «No Time To Die». Damals wurde sie die erste Person geboren nach dem Jahr 2000, welche einen Oscar gewann. Eilish und ihr Bruder wurden mit ihrem zweiten Sieg bei ihrer zweiten Nomination die jüngsten Doppel-Oscargewinner aller Zeiten. Bravo!

Verlierer: Animation, leider

Die fünf nominierten Animations Filme in der Kategorie Animated Feature Film (von links: Robot Dreams, Elemental, The Boy and the Heron, Spiderman: Across the Spiderverse, Nimona)

Es scheint, als ob Hollywood Animationen hassen würde. Etwas unerklärlich, denn einige der besten Filme des letzten Jahres waren Animationsfilme. Doch auch dieses Jahr wurde die Kunstform Animation auf Kinderfilme beschränkt. «Please raise your hand if you let your kid fill out this part of the ballot», so Host Jimmy Kimmel, bevor die Preise für Animation Short und Animation Feature Film verliehen wurden. Ein weiterer Eintrag in die Liste von enttäuschenden Witzen über Animation bei den Oscars. Schade auch, dass der legendäre japanische Filmemacher Hayao Miyazaki nicht an der Preisverleihung war, um seinen Oscar für den Film «The Boy and the Heron» entgegenzunehmen. Die Oscars könnten jedoch froh darüber sein, denn der Studio-Ghibli-Regisseur hätte die respektlosen Kommentare zu Animation wohl kaum einfach stehen lassen.

Gewinner: Messi (nein, nicht der)

Messi, der Hund

Den Namen Messi bei den Gewinnern der Oscarnacht zu sehen, könnte verwirren. Doch hier ist nicht der argentinische Fussballer gemeint, sondern der absolute Star der Awards Season: Der Hund aus dem Film «Anatomy of a Fall». Der Hund verzaubert Hollywood, seit der französische Film herausgekommen ist. In den Sozialen Medien wurde schon vor den Oscars dafür geworben, dass die Academy eine Kategorie für Tierdarsteller einführen sollte. Als Messi dann am 10. März im Dolby Theater in Los Angeles unter den Gästen sass, gab es von allen Nominierten und Stars im Saal einen Riesenapplaus. Messi wird nun wohl in Filmangeboten schwimmen, so wie er es verdient.

Verlierer: Fanfare für Best Picture

Al Pacino bei der Verleihung von Best Picture

Best Picture, also der Preis für den Besten Film, wird jedes Jahr als letztes verliehen. Eine Hollywood-Legende, wie Harrison Ford oder Jane Fonda in den letzten Jahren, kommt mit dem Umschlag auf die Bühne und verkündet den grössten Preis des Jahres. Dieses Jahr jedoch liess die Zelebration des Moments zu Wünschen übrig. Grund dafür war Al Pacino, der dieses Jahr den Gewinner verkündet hat. Der 83-Jährige trat auf die Bühne und verkündete Best Picture in einer komischen Art und Weise. Ohne die Nominierten nochmal zu erwähnen, machte er den Umschlag auf und sagte: «My eyes see Oppenheimer». Die Verwirrung im Saal war so gross, dass niemand wirklich klatsche, da sich wohl kaum jemand sicher war, ob er wirklich den Gewinner verkündet hatte. Nach einer etwas peinlichen Stille war jedoch klar, dass «Oppenheimer» gewonnen hatte. Schade, dass diese Verwirrung entstanden ist. Es zeigt, dass auch legendäre Schauspieler von ein paar Proben mehr wohl profitieren könnten.

Gewinner: BFFs Nolan und Murphy

Christopher Nolan und Willian Murphy nach dem Best Picture Gewinn für „Oppenheimer“

Regisseur Christopher Nolan und Schauspieler Cillian Murphy sind seit Jahren sehr gut befreundet. Murphy ist in fast jedem von Nolans Filmen und ihre Zusammenarbeit ist immer ein Erfolg. Es war daher schön zu sehen, dass die Freunde bei den 96. Oscars gemeinsam ihre ersten Oscargewinne feiern konnten. Dass die beiden Freunde direkt nacheinander Oscars für ihre neueste Kollaboration «Oppenheimer» gewannen, war rührend. Für Nolan war dies die achte Nomination und der erste Gewinn in der Kategorie Beste Regie. Der irische Schauspieler Murphy war zum ersten Mal nominiert und gewann in der Kategorie Bester Hauptdarsteller. Es lässt sich hoffen, dass die beiden Freunde bei den Afterpartys ordentlich gefeiert haben.

Verlierer: Diversität in Hollywood

Lily Gladstone auf dem roten Teppich

Die letztjährigen Oscars waren ein monumentales Ereignis für Diversität in Hollywood. Die Gewinne des Sci-Fi-Films «Everything Everywhere All At Once» waren historisch. Auch dieses Jahr waren wieder vielversprechende Nominationen dabei. So waren mehr POC-Frauen als weisse Frauen in der Kategorie Beste Nebendarstellerin nominiert und Lily Gladstone war die erste indigene Frau mit einer Nomination als Beste Hauptdarstellerin. Schade daher, dass die Preisverleihung selbst nicht von vielen diversen Gewinner:innen geprägt war. Gerade, dass der Film «Killers of the Flower Moon» von Martin Scorsese keinen Oscar abholen konnte, ist enttäuschend. Die Gewinner in den einzelnen Kategorien haben es sicherlich verdient, es zeigt jedoch wieder, dass Hollywood doch nicht so weit ist, was Diversität angeht, wie man es erhofft.

Gewinner: Barbie (und Ken)

Ryan Gosling bei der „I’m Just Ken“ Performance

Der Filmdiskurs im Jahr 2023 kam nicht am Film «Barbie» von Greta Gerwig vorbei. Egal ob pinke Wellen von Kinobesucher:innen oder der online Meme «Barbenheimer» (eine Anspielung darauf das «Barbie» und «Oppenheimer» am gleichen Tag in die Kinos kam), die Plastikpuppe war überall. Und auch bei der Oscarverleihung war der Film immer noch in aller Munde. Obwohl der Film nur einen Oscar gewann, kann man ihn niemals als Verlierer bezeichnen. Seit Juli letzten Jahres ist der Film fester Bestandteil der Popkultur, und auch bei der Oscarverleihung bekam er viel Applaus und Jubel, wann immer über den Film über die Plastikpuppe gesprochen wurde. Barbie wurde zur grossen Gewinnerin des Abends gegen Ende der Preisverleihung. Dies dank einer unglaublichen Performance vom Oscarnominierten Song «I’m Just Ken». Als letzter Song, der in der Kategorie Original Song Nominierten, lieferte Schauspieler Ryan Gosling einen unvergesslichen Oscarmoment. In einem pinken Anzug und von über 60 Tänzern begleitet hat der Kanadier für den Augenblick des Abends gesorgt. Auch wenn einem die Oscars nicht interessieren, diese Performance muss man sehen. Es war pure Freude und eine unglaubliche Krönung für die Awards Season von «Barbie»!

 

Wie jedes Jahr sind die Oscars mit einer Mischung von tollen und nicht so tollen Momenten vorbeigegangen. Doch im Grossen und Ganzen waren die diesjährigen Oscars wieder ein Erfolg. Also bis nächstes Jahr, wenn es wieder heisst: «And the Oscar goes to…»

 

Text Franziska Schwarz

Fotos Academy of Motion Picture Arts and Sciences


I’m Just Ken – live bei den 96. Oscars

 

Liste aller Gewinner

https://www.oscars.org/oscars/ceremonies/2024